Persistent Genital Arousal Disorder (PGAD)
Osteopathie, Nervenmobilisation, vaginale Therapie und Infiltrationen können durch Entspannung von Nerven und Faszien bei einer Persistent Genital Arousal Disorder helfen.
Die Persistent Genital Arousal Disorder (PGAD) ist eine belastende Nervenfehlfunktion im Genitalbereich mit ungewollter sexueller Erregung. Wodurch diese Erregungsstörung entsteht ist nicht vollständig geklärt. Es dürfte unterschiedliche Ursachen mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen und unterschiedlichem Ansprechen auf die Therapieoptionen geben. Gemeinsam ist ein meist langwieriger Verlauf mit wenig Unterstützung durch medizinische Dienstleister, da die PGAD noch kaum bekannt und erforscht ist.
Wir möchten Ihnen bei der Suche nach der Ursache und der für Sie passenden Therapie zur Seite stehen. Hier finden Sie einige allgemeine Informationen. Für eine individuelle Planung der Diagnostik und Behandlung nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.
Symptome der Persistent Genital Arousal Disorder
- Dauernde oder wiederkehrende ungewollte Erregung ohne sexuelles Verlangen
- Schwellung von Klitoris, Schamlippen und Brüsten
- Lubrikation
- Kribbeln, Stechen, Pulsieren, Jucken, Brennen und/oder Schmerzen im Genitalbereich
- Ausbreitung dieser Beschwerden auf die Leiste, den Unterbauch, das Gesäß oder die Beine
- Unvorhersehbare Orgasmen
- Wenig oder kaum Besserung der Beschwerden durch einen Orgasmus
- Beeinträchtigung im Sexualleben
- Negative Beeinflussung des täglichen Lebens
- Psychische Belastung, Depression, Angstzustände
Häufigkeit der Persistent Genital Arousal Disorder
Genaue Angaben, wie oft die PGAD auftritt, gibt es nicht. In wissenschaftlichen Studien geht man davon aus, dass bis zu 1 % der Frauen einmal in ihrem Leben eine Episode einer Persistent Genital Arousal Disorder haben.
Falls Sie davon betroffen sind, heißt das für Sie: Sie sind mit Ihren Beschwerden nicht alleine und es ist eine Episode in Ihrem Leben mit Aussicht auf Besserung und Beschwerdefreiheit.
Ursachen der PGAD
Die PGAD ist eine noch recht unerforschte Erkrankung und es wird noch nach Auslösern gesucht. Eine Theorie zur Entstehung der PGAD ist die Reizung der C-Fasern (=Nervenfasern zur Weiterleitung von Schmerz und Temperaturempfinden) des Pudendusnervs. Die Fasern dieses Nervs kommen aus dem unteren Rückenmark, verlaufen im Rückenmarkskanal bis zum Kreuzbein und verlassen dieses, um sich in einem Nervengeflecht tief im Becken zum Pudendusnerv zu versammeln. Dieser Nerv zieht entlang dem Beckenboden bis zur Klitoris und versorgt den Genitalbereich. Eine Schädigung oder Einklemmung des Pudendusnervs auf seinem Weg kann zu den Beschwerden der PGAD führen. Wahrscheinlich ist die Entstehung der PGAD meist multifaktoriell mit einer allgemeinen Prädisposition und einem lokalen Reizzustand.
Ursächlich für eine allgemeine Beeinträchtigung der Nervenfunktion und somit auch der des Pudendusnervs können eine Polyneuropathie (PNP), ein Restless-Leg-Syndrom (RLS) oder eine überaktive Blase (Reizblase, Overactive Bladder, OAB) sein.
Eine andere Möglichkeit der Nervenreizung ist ein konstanter Druck auf das Nervengewebe:
- Bandscheibenvorfall auf Höhe der Lendenwirbelsäule
- Tarlov-Zyste (=Wurzeltaschenzyste, flüssigkeitsgefüllte Aussackung beim Austritt der Nervenwurzel aus dem Kreuzbein)
- Muskel-Faszien-Spannung im Becken
- Verletzungen, Operationen oder Narben im Nervenverlauf
- Endometriose
- Beckenvenensyndrom, Varizen (=Krampfadern) im Becken
- Sportarten wie Radfahren
Auch Medikamente, die auf das Nervensystem wirken, können in seltenen Fällen eine PGAD auslösen. Am häufigsten tritt dies beim Absetzen von Antidepressiva (v.a. SSRI) auf.
Eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Persistent Genital Arousal Disorder zu entwickeln, besteht bei:
- Hormonveränderungen (Perimenopause,…)
- Chronisches Beckenschmerzsyndrom (Chronic Pelvic Pain, CPP)
- Vaginale Atrophie
- Pudendus-Neuralgie
- Beckenbodendysfunktion
Behandlungsmöglichkeiten der Persistent Genital Arousal Disorder
Entsprechend den Auslösern der PGAD ist die Behandlungsstrategie aus einer Vielzahl an Therapieoptionen zu wählen. Die Therapie der PGAD ist oft langwierig und bedarf jedenfalls einer Kombination an Behandlungsmethoden – dazu zählen:
- Manuelle Druckentlastung des Pudendusnervs (Manualtherapie, Nervenmobilisation, Vaginale Therapie, Narbentherapie)
- Operative Druckentlastung bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Tarlov-Zyste, wenn die manuelle Therapie keine Verbesserung der Beschwerden bringt
- Ultraschallgezielte Infiltration des Pudendusnervs mit Lokalanästhetikum oder Botox
- Elektrotherapie (Tibialis-Stimulation, TENS, Hochtontherapie)
- Medikamentöse Therapie
- Bei medikamenteninduzierter PGAD extrem langsames Ausschleichen der Medikamente (=Tapering)
- Viszerale Osteopathie
- Psychotherapie (Verhaltenstherapie, Sexualtherapie)
- Meditation, Entspannungstechniken
- Fokussierte Stoßwellentherapie
- Beckenbodentraining (abhängig vom Zustand der Muskulatur: zur Entspannung, zur Kräftigung oder zur Verbesserung der Koordination)
- Gepulste hochenergetische Magnetfeldtherapie
- Hormontherapie
- Akupunktur
Wir bei KINEMEDIC-fem können Ihnen eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten anbieten. Für einzelne Therapien, die wir nicht durchführen, wie Operationen oder Hormonbehandlungen, weisen wir Sie Spezialisten zu. Auch die Diagnostik mittels Tastbefund, MRT, hochauflösendem Ultraschall oder Elektroneurographie (NLG, EMG) führen wir durch bzw. veranlassen wir. Vor dem Ersttermin bei uns bitten wir um eine gynäkologische Untersuchung durch Ihre/n Fachärzt*in für Frauenheilkunde und nach Möglichkeit um einen kurzen Arztbrief. Eine Überweisung benötigen Sie nicht.
Wir freuen uns, Sie kennenzulernen und Sie ein Stück auf Ihrem Weg zur Beschwerdefreiheit begleiten zu dürfen.
Ihr Kinemedic-fem-Team bei einer PGAD:
Hinweis
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